BODENMAIS und GROSSER ARBERSEE

Bodenmais mit eigener Bahnstation

Fachbereiche:

  • Wirtschaft: Bodenmais als ein Beispiel der Glasindustrie im östlichen Bay.Wald
  • Natur- und Umweltschutz: Strenger Schutz, aber auch sichtbare Fehler, die weh tun

 

Der Bayerische Wald ist seit Jahrhunderten das Zentrum der historischen Glasherstellung in Deutschland. Mit ein Grund dafür ist der Reichtum an der Gesteinsart Quarz, die in sichtbarer Form oberirdisch als der PFAHL in Regen zutage tritt (mehr unter Viechtach). Viele Orte im Wald haben heute noch gewerbliche oder künstlerische Formen der Glasherstellung oder Bearbeitung. An mehreren Orten hat der Besucher die Möglichkeit, bei der Glasbläserei  zuzuschauen. Auch  Bodenmais gleich unterhalb des höchsten Berges des Bay.Waldes, dem Arber, hat glasbearbeitende Betriebe. Dass dies der Fall ist, dringt aber bei keiner der ähnlichen Kommunen so schnell  ins Bewusstsein des Besuchers wie hier – die ganze lange Ortsdurchfahrt ist an beiden Seiten mit mannshohen Kunstwerken aus oder mit Glas geschmückt. (Bilder unter „kleiner Arbersee). Bodenmais lebte aber bis vor einigen Jahrzehnten noch von einem anderen Schatz in der Tiefe – nämlich Silber. Es gibt hier einen „Silberberg“, in den man als Besucher mit einer Führung in die alten Stollen einfahren und dabei bedauern kann, dass man nichts  von den glitzernden Resten an den Wänden mitnehmen kann.

Gleich neben dem alten Silberbergwerk zweigt die Straße zum Arber und den Großen Arbersee ab, den wir heute als zweites Ziel haben. Eine schöne Straße führt dort hinauf, meist mit Blick auf den Großen Arber. Man sollte aber wie hier einmal das Auto abstellen und einige Hundert  Meter in den dichten Wald gehen, um die wunderbare Stille dieses riesigen Waldgebietes auch richtig wahrnehmen zu können und noch mehr Sinn für den dauerhaften Schutz dieser einmaligen Natur zu bekommen. Nur ein Detail am Rande: Wo – wenn überhaupt -  findet man heute noch so viele riesige Ameisenhaufen wie hier? ---  Dann häufen sich die Fahrzeuge auf der Straße plötzlich, was heißt, dass jetzt der erste große Anziehungspunkt des Arbergebiets nah ist – der Große Arbersee mit dem Seehaus. Ein wunderschöner, sauberer, von Wald umsäumter See, an dessen anderem Ende eine 400 Meter hohe Felswand steil vom Arber abfällt. Schilder auf Deutsch und Tschechisch: Angeln und Baden verboten. Strengster Naturschutz, der auch dadurch zum Ausdruck gebracht werden soll, dass es rund um den See keinen einzigen Abfallkorb gibt. Damit soll klar gemacht werden, dass das Wort „Abfall“ hier gar nicht existieren darf. Was die Natursschutz-Behörde aber nicht erkannt hat oder bis jetzt nicht ändern konnte, ist der akustische Naturschutz: Die stark befahrene Hauptstraße  führt nur  30 Meter  vom Seeufer entfernt vorbei und breitet dabei einen permanenten Lärmteppich über den See aus. Schöne Filmbilder wie hier  vom See lassen an dem Begriff „Strenger Naturschutz“ zweifeln, wenn als Begleitton immer der Verkehr zu hören ist – besonders das Knattern der Motorräder, für deren Fahrer das Arbergebiet hoch im Kurs steht. Eine Verlegung der  Arberstraße ein gutes Stück weg vom See wäre notwendiger akustischer Naturschutz. Wenn man die riesigen Parkplätze am See und am Arber selbst sieht – noch mehr in der Skifahr-Saison – wäre im Sinne von Natur- und besonders Klimaschutz noch eine andere Maßnahme angebracht: Zufahrt der Massen vom Tal nur mit dem Bus oder emissionsfreien Elektro-Mobilen. Dass so eine Regelung irgendwann kommen wird,  kommen muss, zeigt der  kürzliche Klimareport 2014 der Vereinten Nationen, an dessen erschreckenden Szenarien einer Entwicklung ohne Klimaschutz heute keiner mehr zweifelt.