Bergen auf Rügen

(eigener Bahnhof, großer Busbahnhof für Norden und Wesen der Insel)

Fachbereiche: Architektur, Geschichte, Ethik

 

Bergen in der Mitte der Insel ist die „Hauptstadt“ von Rügen mit dem Sitz aller wichtigen Behörden, was sich allerdings durch die geplante Zusammenlegung zu Großlandkreisen etwas ändern wird. Eine gute Entscheidung wurde hier getroffen: Das Kennzeichen der Rüganer an ihren Autos bleibt bestehen, nämlich RÜG, eine gute Visitenkarte. Der Ort ist schon von weitem sichtbar; die Altstadt liegt - wie schon der Name sagt - malerisch um einen bewaldeten Berghang, neben dem „Gebirge“ im Mönchsgut die höchste Erhebung auf der Insel. In Bergen kann mehr als in den anderen Orten auf Rügen eine Reihe von interessanten geschichtlichen Fakten erfahren und vorgefasste Meinungen darüber revidieren.

 

*Bitte beachten: Die am Ende des Films gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.


Schon wenn man vom Zug kommend den Bahnhofsvorplatz betritt, kann man eine erste ungewohnte Erfahrung machen. Gleich gegenüber dem Bahnhofsgebäude befindet sich auf einer erhöhten Fläche ein großes Kriegerdenkmal für die hier gefallenen sowjetischen Soldaten. Das war für sich nichts Ungewöhnliches in der ehemaligen DDR, erstaunlich ist nur die Antwort mehrere Leute auf die Frage, wo man denn das Denkmal für die getöteten deutschen Soldaten findet. Sie lautet: Es gibt keines. Und diese Tatsache bestätigt sich auch in anderen größeren Orten auf der Insel und auf dem Festland. Erklärung: Da die deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg für ein faschistisches Regime kämpften, ließ das kommunistische Regime der DDR nicht zu, für die vielen Toten eigene Gedenkstätten zu errichten. Dafür findet man oft an den Kriegerdenkmälern des Ersten Weltkrieges nachträglich angebrachte kleine Steinplatten, die auf die Gefallenen des letzten Krieges hinweisen, wobei nicht ersichtlich ist, ob dies vor oder nach der Wende geschah.

 

- Bergen hatte zu DDR-Zeiten 20.000 Einwohner; bedingt durch die Abwanderung nach der Wende sind es heute nur noch 15.000. In einem Ort dieser Größe wurden während der DDR-Zeit natürlich auch zahlreiche Plattenbauten für die vielen Menschen errichtet, die hier Arbeit und Brot fanden. Sie liegen im Süden der Stadt und man fährt auch gerne mal dahin, um eine bessere Vorstellung vom Wohnen in der DDR zu bekommen. Im Kopf ist dabei die damalige ironische Bezeichnung der Menschen für ihre Behausungen - nämlich „Arbeiterschließfächer“. Wenn man dann aber vor den zahlreichen Blocks steht, muss man seine vorgefasste Meinung über die Plattenbauten heute stark revidieren: Zwar gibt es noch einige wenige Häuser, die bis jetzt seit ihrer Erbauung unverändert blieben, aber der große überwiegende Teil wurde baulich so stark verändert, dass man als Unwissender Mühe hätte, diese als originale Plattenbauten zu erkennen: Die grauen Fassaden verschwanden unter einer abwechslungsreichen farbigen Neugestaltung.

 

Plattenbauten hatten immer fünf bis sechs Stockwerke ohne Fahrstuhl, so dass eine Vermietung der oberen Wohnungen nach der Wende oft nicht möglich war. Die Lösung: Viele Häuser wurden auf drei Stockwerke rückgebaut oder man fügte nachträglich an der Außenwand Fahrstühle an, womit die oberen Stockwerke auch für ältere Menschen wieder interessant wurden. Ebenfalls nachträglich angefügt sind nicht selten farblich und stilistisch interessant gestaltete Balkone - die Filmbilder zeigen es. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die letzte Originalfassade verschwunden ist. - Der höchste Teil von Bergen ist der „Rugard“, den schon früher die Slawen als Verteidigungs-Bollwerk nutzen. Dort steht auch der große Aussichtsturm, von dessen Plattform man schön auf die Stadt unten schauen und sogar bei klarem Wetter die Küsten in den verschiedenen Himmelsrichtungen erkennen kann.