Binz auf Rügen

(zwei Bahnhöfe: Bundesbahn und Rügensche Bäderbahn)

Fachbereiche: Architektur (Bäderarchitektur), Tourismus (Beispiel)

Der Badeort Binz hat nicht nur die meisten Gäste der Insel Rügen, sondern bietet auch ein gutes Beispiel dafür, was einen Badeort so beliebt machen kann - Leute, die einfach nur Ruhe und Abgeschiedenheit suchen, sind hier ausgenommen. Da ist einmal die herrliche Badebucht mit seinem breiten Sandstrand, der noch den Vorteil hat, dass er nach Westen in Richtung der von dort meist oft heftig wehenden Winde einen breiten schützenden Waldgürtel hat, was den Strandaufenthalt noch angenehmer macht, auch bei einmal fehlender Sonne. Und ist einmal die See zu wild, so kann man ans andere Ortsende gehen und sich am dortigen Binnensee aufhalten. Oder man macht eine Wanderung durch den schönen Mischwald hinauf zum Jagdschloss, von dem man einen herrlichen Blick über die Bucht, den Ort und die Ostseeküste bis runter nach Göhren und Thiessow hat.

 

Man kann Schiffsausflüge zum Königstuhl machen oder aber sich mit der neuen deutschen Geschichte beschäftigen, in dem man das mit 4 1/2 Kilometern längste Gebäude der Welt anschaut - und das beginnt gleich am Ortsende von Binz, wird allgemein als der Koloss von Prora bezeichnet und ist der Kraft-durch-Freude (KdF) - Riesenbau aus der Nazizeit (siehe auch Filmbericht darüber unter "Prora"). Oder man steigt am Bahnhof der Rügenschen Bäderbahn in den "Rasenden Roland" und besucht Göhren auf der einen oder Putbus auf der anderen Seite mit all den anderen Orten dazwischen. Der Roland sind mehrere Dampfzüge mit Salon- und offenen Aussichtswagen, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h auch für die innere Entschleunigung der Neuurlauber sorgen und Freunde der alten Dampftechnik begeistern - Männer wie Kinder. Die Züge fahren das ganze Jahr nach Fahrplan. Hier im Binz-Film treffen sich gerade zwei Züge, die eine Menge von Fahrgästen ausspucken und aufnehmen, mit und ohne Rad.

 

Der Bahnhof der Bundesbahn ist neben Sassnitz Endstation auf Rügen und liegt einige Hundert Meter entfernt. Dort stehen noch wie vor Hundert Jahren bei Ankunft eines IC-Zuges schön aufgereiht die Abholer der Hotels vor dem Bahnhofausgang, wie hier zu sehen. Dazu natürlich noch die vielen Angebote der zahlreichen großen Hotels. --- Diese Anmerkungen nur, um neben den Wissensthemen auch einmal den touristischen Aspekt anzusprechen. Wer es ruhiger möchte und an die Ostküste Rügens will, der ist in Göhren, der Schaabe oder im Mönchsgut besser aufgehoben (siehe Filmbilder unter diesen Namen).



*Bitte beachten: Die am Ende des Films evtl. gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.

Das Wissensthema für Binz ist aber ein anderes - nämlich seine Baugeschichte. Binz gehörte mit zu den ersten Orten, die vom neuentdeckten Badeboom am Meer erfasst wurden. Und da das Reisen damals noch ziemlich teuer war, waren es die Wohlhabenden, die hier regelmäßig im Ganzkörper-Badeanzug vom Badewagen aus ins Meer stiegen - wie viele von ihnen damals schon schwimmen konnten, sei mal dahingestellt. Jedenfalls war es nicht wie heute üblich, fast den ganzen Tag am Strand zu verbringen. Man wollte sich auch in seinem eigenen Haus, die damals alle Balkon hatten, an der frischen Meeresluft erholen, sehen und gesehen werden. Häuser mit Balkons, die sich die reichen Gäste von ihren Architekten bauen ließen und jeder wollte sein Haus schöner, noch schöner, auf jeden Fall anders haben - und das (fast) immer in der Farbe schneeweiß.

 

Dies mit vielen Giebeln, Türmchen, kunstvollen Verzierungen an Balkonen, Fenstern, Türen, Zäunen und wo es nur möglich war. Eine Art Konkurrenzbauen, die sich heute "Bäderarchitektur" nennt. Die weiße Stadt Binz kann heute in hohem Maße davon profitieren, ließen doch diese alten, jetzt meist denkmalgeschützten Gebäude keine hässlichen Hotel-Klötze neben sich entstehen. Und wenn schon eines gebaut wurde, dann versuchte man, etwas vom alten Baustil zu kopieren. Klar, dass den Machthabern des Arbeiter-und Bauernstaates namens DDR dieser gezeigte Reichtum der oberen Klasse nicht gerade gefiel. Deshalb wurde in dieser Zeit fast keine Renovierungen oder Reparaturen an diesen Häusern vorgenommen, was diese langsam unansehnlich machte. Erst der Neuanfang durch private Investoren brachte wieder neue (weiße) Farbe in den Ort und macht ihn heute absolut sehenswert. Die Kurverwaltung zeigte in ihren Räumen längere Zeit eine Ausstellung über die Bäderarchitektur vor und nach der Wende. Hier im Film sind einige Beispiele davon zu sehen.



LESEN: Der schöne Bildband mit dem einfachen Titel "Bäderarchitektur" zeigt noch viele andere Beispiele an anderen Orten und ist im Film ausführlich vorgestellt.