Göhren auf Rügen

(in Binz von der DB umsteigen in die Rügener Bäderbahn RBB)

Fachbereiche: Geschichte (alt: Kirchenbesitz, neu: "Republikflüchtlinge"), Geologie (Riesenfindling, "aktives Kliff"), Tourismus (alte Dampfloks), Ortsklima (Nordperd)

 

Wer mit dem Auto oder Rad von Sellin kommend nach Göhren fährt, muss ein über die ganze Straße gebautes Riesentor aus Holz durchfahren, das mit geschichtlichen Figuren geschmückt ist. Was von weitem wie eine Mautstelle oder sogar Grenze erscheint, ist in Wirklichkeit ein Bauwerk zur Erinnerung an die frühere Geschichte Rügens. Hier an dieser Stelle verlief tatsächlich im Mittelalter einmal eine Grenze - wir sehen im Film neben dem Tor Reste einer früher 3 Meter hohen Mauer und später eine Wasserrinne, die damals ebenfalls das Land abtrennte. Ab hier gehörte das Land ab dem 13. Jahrhundert zum Besitz des Klosters Eldena bei Greifswald, deshalb auch der heute noch geltende Name "Mönchgut" (siehe Klosterruine Eldena unter "Greifswald"). Göhren ist somit der erste größere Ort im Norden des Mönchgut.


*Bitte beachten: Die am Ende des Films gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.


Wer mit dem Dampfzug der RBB kommt, fährt nur einige Meter daran vorbei, bis die Fahrt dann zum Endpunkt der Linie Putbus-Göhren kommt, wo dem Dampfross neue Energie in Form von Kohle und riesigen Mengen Wasser zugeführt werden muss - Bilder, die nicht wenige Besucher noch aus ihrer Kindheit kennen. Das führt zu vielen nostalgisch gestimmten Zuschauern. Ebenso Vätern mit ihren Kindern, die sich fast nicht mehr von diesem fauchenden und dampfenden Ungetüm trennen können. Die Filmkamera hat hier hübsche Bilder der Begeisterung von jung und alt eingefangen. Da werden schöne Erinnerungen wach oder bei den Jungen die Faszination dieser kolossalen Masse an früherer Technik. Es ist nicht nur für den Erfolg des Tourismus, sondern auch für den einzelnen Besucher eine schöne Sache, dass man verstanden hat, diese Strecke mit gleich mehreren dampfgetriebenen Zügen zu erhalten - und dies mit einem durchgehenden festen Fahrplan im Sommer wie im Winter.

 

Vom Bahnhof sind es nur ein paar Schritte bis zum langen, feinsandigen Strand und der schönen Promenade, von der man hinaufblickt zu den gepflegten Häusern des Ortes. Dort angelangt, hat man erst eine richtige Vorstellung von der herrlichen Lage Göhrens - die unten liegende weite Bucht mit den Strandwäldern und dem rechts hoch ansteigenden Küstenteil lässt Erinnerungen an die Riviera aufblitzen - nur hat der Urlauber hier viel mehr davon, weil es weit ruhiger ist.

 

Im Wasser nahe des Ortsstrandes liegt eine Besonderheit Göhrens. Es ist der größte Findling ganz Rügens - und davon gibt es auf und vor der Insel eine ganze Reihe. Der massive Steinblock hat einen Umfang von 40 Metern und es ist ein nettes Spiel, bei dieser Größenangabe auch mal seine Fähigkeit zu testen und das Gewicht dieses Monstrums in Tonnen zu schätzen, das wie ein Eisberg nur mit der Spitze aus dem Wasser schaut. Die Lösung gibt es dann hier im Film.

 

Göhren hat noch eine weitere Attraktion geologisch-klimatischer Art. Vom Ort aus zieht sich in Richtung Südosten ein langer und hoher Bergrücken, Nordperd genannt. Das ermöglicht eine Wanderung mit schönsten Ausblicken, ein Kennenlernen des Begriffs "aktives Kliff" und die Erkenntnis, dass man beim östlichen Weg zur Spitze wegen des Ostwindes (Anfang Oktober) ziemlich friert, aber beim Rückweg auf der geschützten Südseite des Perds (heißt so viel wie Bergrücken) den Anorak ausziehen, wie im Sommer sich sonnen und an immer noch blühenden Pflanzen erfreuen kann, alles hier in Filmbildern zu sehen.

 

Freuen kann man sich auch beim Blick auf das weite Meer rüber nach Greifswald auf dem Festland über die Tatsache, dass hinter einem heute nicht mehr ein hoher Wachturm steht, der während des DDR-Regimes nur die Aufgabe hatte, mögliche Republik-Flüchtlinge auf dem Wasser zu entdecken, die mit dem Boot nach Dänemark oder noch weiter wollten. Der Turm wurde abgerissen, nur das Fundament kann man bei einiger Suche noch im Dickicht an der Nordperd-Spitze entdecken.