Kap Arkona auf Rügen

Fachbereiche: Religion, Sozialkunde, Architektur

 

Erschütternd waren für alle die Nachrichten über die fast zweiwöchige vergebliche Suche nach dem unter dem Kreideabbruch der Steilküste verschütteten 10-jährigen Mädchen Ende 2012. Es ist eine an der hier überall abrupt abfallenden Küstensaum gefährliche, aber trotzdem überaus faszinierende Landschaft, die die Menschen immer wieder anzieht. Wir beginnen unsere zweiteilige Kamerafahrt im nahen Altenkirchen und kommen über den großen Parkplatz (zwingend für alle Besucher)in Putgarten zunächst per pedes (es fährt auch eine Bahn auf Gummirädern) zu dem romantischen und pittoresken alten Fischerort Vitt (gesprochen wie ein F) und zu deren Kapelle am Hochufer, die eine besondere beispielhafte Geschichte hat und wo auch die Gedenkstunde für das kleine am Kap getötete und nicht gefundene Mädchen stattfand. Die Kapelle steht deswegen heute dort, weil lange vor deren Bau hier ein Priester zum regelmäßigen Gottesdienst im Freien zu den Menschen kam und nicht umgekehrt, wie man es noch heute erwartet - und oft auch noch vergeblich. Es ist eine Geschichte, die nachdenklich macht und die man sich in ähnlicher Form gerade in der heutigen Zeit öfter wünscht.


*Bitte beachten: Die am Ende des Films gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.


Auf dem Weg zum Kap zunächst eine Zwischenstation in Altenkirchen, wo wir gerade zum Mittagsläuten aus dem alten hölzernen Glockenturm ankommen, der neben dem historischen Gotteshaus steht. Die Kirche ist die älteste auf Rügen und zudem noch das erste hier in Backsteintechnik erbaute Gotteshaus. Dänische Mönche lieferten beim Bau im Jahr 1185 auch das Wissen um das Bauen mit Ziegelsteinen, nachdem Steine hier Mangelware sind. Aber unser Kommen hat einen anderen Grund: Auf dem Friedhof der Kirche befindet sich das Grab des Philosophen, Heimatdichters und Historikers namens Kosegarten. Aber die Arbeit, die ihn berühmt gemacht hat, war in seiner zusätzlichen Funktion als Pfarrer. Sein bescheidenes Grab in Altenkirchen zeigt wohl auch eine Charaktereigenschaft von ihm. Als Priester, der in seiner Kirche Messen liest, wartete er nicht umsonst auf seine Schäfchen - wie heutzutage viele Gottesmänner - , sondern er ging zu ihnen.

 

Und das waren hauptsächlich Fischer an der Ostseeküste, die nicht nach Altenkirchen laufen konnten, weil sie bei ihrem dauerhaften Ausguck am Hochufer nicht die Ankunft der Heringe verpassen wollten. Also kam Kosegarten zu Ihnen und hielt seine berühmten „Uferpredigten“ und Gottesdienste auf erhöhtem Standpunkt über dem Meer, damit die Fischer währenddessen das Meer beobachten konnten. Das war in oder besser über dem kleinen malerischen Fischerdorf Vitt (Davon viele Aufnahmen von heute und früher im Film.) Aber er predigte nicht nur dort. Mit der Zeit wurden Kosegartens „open air-Gottesdienste“ im ganzen Land so bekannt, dass sich auch Prominente einfanden, mit deren und anderer Hilfe er dann die heute so bekannte und viel besuchte kleine Kapelle hoch über Vitt errichten konnte - das zusätzlich mit der künstlerischen Ausstattung mit Bildern von z.B. Philipp Otto Runge, einem seiner Schüler in seiner Funktion als Hochschullehrer. Kosegartens Arbeit mit den Uferpredigten und dem Kümmern vor Ort könnte auch heute noch ein Weg sein, um ein Gegenstück zu der Tristesse unserer sonntäglich fast leeren Kirchen zu schaffen.

 

Der Ort Vitt ist neben seiner fantastischen Lage in einer Mulde zwischen Hochufer und Meer auch noch aus anderen Gründen einen Besuch wert: Die alten schmucken und mit Rohr gedeckten Fischerkaten sind original und deshalb denkmalgeschützt. Sie haben neben der heutigen Hausnummer noch das frühere Runenzeichen, das jedes Haus, das Vieh und anderen Besitz jeweils mit einer anderer Form markierte. Und man bekommt in Vitt wunderbar frische und über Buchenholz geräucherte Heringe, Flundern, Aale und Dorsche. - Damit kann man sich stärken für den Teil 2 unserer Kamerawanderung mit dem endgültigen Ziel KAP ARKONA. 



LESEN: Ein aktuell erschienener Band über die geschichtliche Bedeutung von Kap Arkona wird in Teil 2 des Films ausführlich zitiert und vorgestellt.