Kap Arkona Teil 2

Fachbereiche: Archäologie, Völkerkunde, Meteorologie, Religion


Auf dem weiteren Weg von Vitt entlang dem beeindruckenden Steilufer und immer das Kap vor Augen kommt man zunächst an einen sehr steilen Hang, der sich parallel zum Weg entlang zieht. Man hält dies zunächst bei diesem allgemein flachen Land für eine Laune der Natur, bis ein großes Schild mit einer Zeichnung die Aufklärung bringt: Das ist ein Schutzwall der Slawen für ihre Festung, den sie hier vor über 1000 Jahr errichtet haben. Neugierig geworden, will man sehen, wie der Wall denn nun weiterläuft. Und da gibt es einige lehrreiche und interessante Überraschungen:

 

*Bitte beachten: Die am Ende des Films gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.


Auf dem Gelände der ehemaligen Slawenburg stehend, dann die Erkenntnis: Es gibt oder gab gar keinen durchgebenden Wall um die Festung, denn fast zwei Drittel des Raums für den Schutz übernahm das Meer mit seinen steil abfallenden und von Feinden nicht einzunehmenden Küstenabsturz. Leider ist von der ehemaligen Slawenfestung nichts mehr zu sehen. Erster Grund dafür ist, dass die hier lebenden Slawen mit dem Namen „Ranen" für die sich damals zu Beginn des 2.Jahrtausend im Missionsrausch befindlichen Christen einfach "Heiden" waren, was damals eine Art Schimpfwort war, aber nichts anderes bedeutete als "Nichtchrist". Und da war es damals nicht weiter schlimm, dass ein dänischer Bischof mit Unterstützung der staatlichen Macht deren riesige vierköpfige Gottfigur mit dem Name Svantevit einfach umreißen und zerstören ließ. Im Gefolge ging deren Kultur unter, die vielleicht mit ihrem eigenen Gott noch lange dort glücklich gelebt hätten. Zweiter Grund für die Nichtexistenz von irgendwelchen sichtbaren Spuren ist die Tatsache, dass von der ehemaligen Slawenburg über die Jahrhunderte fast zwei Drittel durch Abbrüche der Steilwand im Meer verschwunden sind.

 

So sehen wir zwischen Vitt und Arkona, wie die Kirche einmal für und das andere Mal brutal gegen die Menschen vorgeht - auch wenn der letzte Fall schon Geschichte ist. - Viele unterirdische Zeugnisse der Slawenkultur sind dennoch von Archäologen akribisch ausgegraben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Wie das gemacht wurde und was alles ans Tageslicht kam - einschließlich einer überraschend so ganz anderen Rasierklinge - ist in dem Film hier ausführlich geschildert.


An einem anderen Tag auf Kap Arkona kann die Kamera vor lauter Nebel und Wind fast nicht die Spitzen der drei Türme auf dem Kap sehen - es herrscht das typische Kap Arkona-Wetter, das trotz seiner Rauheit auch etwas Faszinierendes hat. Da werden die jungen Paare, die sich im so ganz anderen Leuchtturm des berühmten Architekten Schinkel gerne trauen lassen gleich so richtig auf die Stürme des Ehelebens vorbereitet. Der zweite, höhere Leuchtturm ist noch in Betrieb und man kann ihn erklettern. Dem dritten Turm, der früher der Schiffspeilung diente, hat die moderne Navigationstechnik den Garaus gebracht und es gibt als Belohnung für eine Besteigung ganz oben keine Peiltechnik, sondern Schmuck zu kaufen.

 

Wegen seiner guten Ortungslage ganz im Norden hat sich auch das Militär vom Kaiser über die Nazis bis hin zur DDR des Kaps bedient und den Untergrund mit vielen Stollen und Gängen versehen, die heute zu besichtigen sind - Auch das Wetter kommt hier im hohen Norden zuerst an, daher hat der Deutsche Wetterdienst hier eine wichtige Station mit einem großen Display zum Ablesen von aktuellen Wetterdaten für den Besucher - hier im Film einige Beispiele: Man kann die Windstärke selbst berechnen und staunt über eine andere Angabe: Luftfeuchtigkeit ist an diesem Tag 100 Prozent - und man wird dabei nicht nass. - Fazit einer Arkona-Wanderung: Man braucht nicht unbedingt nach Irland, um eine derart wilde und pittoreske Küstenlandschaft wie am Kap kennen zu lernen.


 

LESEN: Im Film zitiert und gezeigt wird der neu erschienene und sehr empfehlenswerte Band über die Slawen am Kap: „Die Burg am Kap Arkona“ von Fred Ruchhöft