Prora auf Rügen

(eigene Bahnstation)

Fachbereiche: neue Geschichte, NS-Architektur, Sozialkunde


Der "Koloss von Prora" ist heute eine gängige Bezeichnung für das längste Haus der Welt in Prora an der Ostküste Rügens. Es ist ein in den 30er Jahren erbautes "Kraft durch Freude" (KdF)- Gebäude der Nationalsozialisten von gigantischen Ausmaßen, in dem sich 20000 Menschen zugleich an einem der schönsten Strände Deutschlands billigst erholen können - aber dies zugleich auch dem Regime danken sollten. Das Monsterhaus wurde nie ganz fertig gestellt und ist heute auch durch die fast nicht überschaubare Dimension eine stetige Mahnung vor der unbegrenzten Macht autoritärer Despoten jeglicher politischen Herkunft. 


*Bitte beachten: Die am Ende des Films gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.


Aus einem besonderen Grund soll - anders als sonst - hier schon am Anfang auf die Buchempfehlungen am Ende des Films hingewiesen werden, die dem Leser umfassendes Wissen über die Geschichte vom Baubeginn an, der Zeit des Krieges, der russischen Besatzung, der DDR-Zeit und die Jahre bis heute liefert. Denn an den 4 1/2 Kilometer langem Gebäude entlangzulaufen, ohne zu wissen, was sich in den nun fast 80 Jahren vor und hinter den Tausenden Fenstern zugetragen hat oder welche Funktionen mit den einzelnen Bauteilen geplant waren, ist wenig befriedigend - es sei denn, man lässt sich über Gebühr nur von den endlosen morbide-düsteren Mauern beeindrucken. Daher ist vor einem Sinn machenden Besuch die auch hier unten angeführte Lektüre des Standard-Bandes über Prora mit dem Namen „Der Koloss von Prora“ sehr zu empfehlen. Ebenso das dort und im Film genannte ausgezeichnete und super-anschaulich gemachte schulische Arbeitsmaterial, das auch in Prora entstanden ist. 


Dieser Film hier zeigt, wie ein normaler Urlauber oder Besucher von Prora Stück für Stück Bekanntschaft mit diesem „Riesenhotel“ macht, das zwar fast fertig war, aber nie einen KdF-Urlauber gesehen hat: - Hier Ankunft mit der Bahn in Prora, Weg wie Tausende andere an den schönen Strand, Strandwanderung so weit, bis eine hohe, weit ins Wasser ragende Mauer den Weg versperrt. Jedem Nichtinformierten wird sich spätestens hier die Frage stellen, was das ist oder wo er ist - und so kommt es dann zu einer Rundumbesichtigung des Monsterbaus. Dies bei den fast 5 Kilometern wie hier im Film am besten mit dem Rad, Autofahrten entlang des Gebäudes sind nicht zugelassen. Im Parterre überall verrammelte Fenster und Türen - trotzdem findet man bei einer Total-Tour ab und zu eine aufgebrochene Tür wie bei diesen Aufnahmen, die einen Blick ins Innere erlaubt. Weiter reingehen nicht empfohlen - Treppen, Geländer und Fußböden sind zum Teil morsche 80 Jahre alt! Wenn schon, dann mit einer der regelmäßigen Führungen im „Macht Urlaub-Museum“ , die in sichere Gebäudeteile führt. - Dann fährt man durch ein offenes Metall-Tor und freut sich: Hier hat man einen Riesen-Zeltplatz mit Versorgungsgebäuden angelegt und daneben entsteht aus den Mauem des KdF-Baus eine neue riesige Jugendherberge, was allein schon die Zahl der Fenster beweist: Es sind 8oo! Und das direkt am herrlichen Sandstrand. Damit dürfte Prora wohl zukünftig eine der schönstgelegenen Jugendherbergen Deutschlands besitzen.

 

(Späterer Nachtrag: Inzwischen ist die Jugendherberge fertig und konnte 2011 - also im ersten Jahr des Betriebs - bereits einen Rekordbesuch von jungen Leuten und Familien verzeichnen.) 

 


LESEN: Das bereits hier oben als vorbereitende Lektüre empfohlene Buch „Der Koloss von Prora“ wird am Filmende ausführIich gezeigt und besprochen. Außerdem ein anrührendes autobiographisches Buch eines ehemaligen „Bausoldaten“ in Prora - das waren in der DDR die Wehrdienstverweigerer, die in Prora unter zum Teil demütigenden Bedingungen ihren Wehrdienst am Bau oder bei anderen niederen Diensten ableisten mussten. - Für Schule und politische Bildung werden zusätzlich wunderbar anschauliche Arbeitshefte vorgestellt, die auch im Doku-Zentrum Prora entstanden sind (Adresse für Bestellung am Filmende.)