Schaprode auf Rügen

(Bahnhof Bergen, direkte Busverbindung)

Fachbereiche: Frühe Rechtsgeschichte / Umwelt


Schaprode hat einen heute noch zu besichtigenden Tatort aus dem frühen Mittelalter. Ein Tatort kann die Örtlichkeit eines jeden Verbrechens sein. Dank der einseitigen und einfallslosen Fixierung unseres öffentlich-rechtlichen Fernsehens auf Mord als ausschließliches Verbrechen bedeutet der Begriff Tatort in den Köpfen der Menscheninzwischen nur Tod in allen grausamen Variationen - so wie hier im frühen Mittelalter. Da hat man an Stellen, wo jemand auf irgendeine Weise umgebracht wurde, eine sogenannte „Mordwange“ aufgestellt - eine Art Sühnestein. Davon gibt es nur noch ein paar im ganzen Land - einer davon steht in Schaprode.

 

*Bitte beachten: Die am Ende des Films gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.


Rügen war laut Infotafel neben der „Mordwange“ vor ca. 700 Jahren ein gefährliches Pflaster. Da gab es nämlich in ganz Pommern die meisten Morde. Gut, dass es auf der Insel damals noch keinen Fremdenverkehr gab. Einfache Mordopfer wurden auch auf einfache Art beerdigt, Opfer höheren Grades wie hier in Schaprode ein Knappe aus dem Ritterstand bekamen einen Sühnestein, den der Täter - sofern man ihn fassen konnte - selbst erstellen musste. Erst danach durfte er auf den Galgen, den es ja damals überall gab, meist etwas erhöht, damit die Leute etwas zu sehen hatten. Das erledigen heute die täglichen Mordfälle auf den meisten Fernsehkanälen. - Die Stelle, wo in Schaprode vor 700 Jahren dieser Knappe umgebracht wurde, ist heute gleich am Ortseingang an der Hauptstraße. Da steht der mannshohe Sühnestein aus flachem, ca. 15 cm dicken Stein, der eine menschliche Figur andeutet. Erstaunlich, dass Stein und Standort über Jahrhunderte geblieben sind - nur der „Kopf“ der Figur wurde sichtbar irgendwann aus zwei Teilen wieder zu einem gemacht. Man muss auch etwas Fantasie für die Situation der damaligen Zeit mitbringen, wenn man sich die „Mordwange“ ansieht. Oder man liest schon vorher das unten empfohlene kurzweilige Buch über die Rechtsprechung im Mittelalter.

 

Bei der Mordwange macht eine Art von "langsamen Tod" umweltbewussten Menschen noch mehr Gedanken: Die Inschrift auf dem Stein ist nämlich nicht mehr lesbar. Sieht man aber ein Foto der Mordwange, das vor ca. 80 Jahren aufgenommen wurde, so sind die eingemeißelten Buchstaben sehr gut zu lesen. Traurige Folgerung daraus: In den letzten 80 Jahren hat der Stein bzw. die Inschrift durch schädliche Umwelteinflüsse mehr an Substanz verloren als in den vorangegangenen über 600 Jahren.

 


LESEN: „Justiz in der alter Zeit“ - ein höchst interessantes Buch über die Formen der Rechtsprechung im Mittelalter und deren teilweise rabiaten Umsetzung. Vorstellung am Filmende.