Großefehn/Wiesmoor/Felde

und Umgebung

Fachbereiche:

  • Geschichte: Ein Straßendorf von acht Kilometern Länge oder wie die Moorkolonisierung sichtbare Spuren hinterlassen hat.
  • Umwelt: Der Torfabbau ist seit den 60er Jahren verboten, kann aber an der letzten Abbaustelle und im höchst anschaulichen Wiesmoorer Torfmuseum noch nacherlebt werden. 
  • Technik und Energie:  Ein Holländer führt durch  einen historischen Galerie-Holländer, der sich mit einem windbetriebenen Generator an der Energiewende beteiligt.


Wer den Norden Deutschlands noch nicht kennt, kann bei einem Besuch so manche Dinge (kennen-)lernen, die er bis jetzt nicht für möglich hielt. Wie wäre es mit einem Dorf, das acht Kilometer lang ist? Gibt es und zwar in vergleichbarer Länge nicht nur einmal. Der Grund: Bei der Kolonisierung, d.h. Entwässerung der riesigen Moor- (Fehn-) Gebiete besonders im Süden und Westen Ostfrieslands hatte man zu Beginn nur eine Möglichkeit, von A nach B zu kommen – nämlich die großen und kleinen Kanäle, die man zur Entwässerung der Moore angelegt hatte. Und die gehen immer wie mit einem Lineal gezogen durch die Landschaft, wie man hier im Film bei einem Kartenausschnitt von Ostfriesland sieht, der wie eine riesige Ansammlung von langen blauen und schnurgeraden Linien aussieht – alles Kanäle.

Und da diese Kanäle damals die Straßen waren, die es ja  heute vor jedem Haus gibt, bauten die Leute damals auch ihre Häuser – früher eher Hütten – direkt an diese Kanäle, um von der Haustür gleich in ein Boot steigen zu können. Zu Fuß unterwegs zu sein, war im Moor ja eine schwierige und oft auch  lebensgefährliche Angelegenheit. Da jeder Bauplatz praktisch immer nur am Kanal war, reihten sich mit der Zeit alle Häuser entlang am Wasser auf.  Das ist hier im Film bei einer Radtour mit Kilometerzähler entlang des Großefehn-Kanals zu sehen, der kurz vor Wiesmoor beginnt und bis Großefehn führt. Da fährt man durchgehend den Kanal entlang, der ebenso durchgehend auf beiden Seiten bebaut ist – und hinter den Häusern beginnt das Grünland, früher das Moor. In Großefehn angekommen, sagt der Kilometerzähler am Rad rund acht Kilometer Ortslänge. Und dabei gehen dort Ort und Kanal ja noch weiter. Die Radfahrt lohnt sich: Man sieht unterwegs schmucke weiße Hub-, Dreh- oder Fußgängerbrücken, alte Boote, Schleusen,  Infotafeln und staunt darüber, dass heute statt nur einer Straße wie früher gleich drei Straßen für nur eine Richtung zur Verfügung stehen: Die Wasserstraße (Kanal) mit einer breiten Durchgangsstraße auf einer Seite und noch einer etwas schmaleren  Straße auf der anderen Seite, der dem Ortsverkehr dient, sehr ruhig ist und daher ideal für eine Radtour. – Gleich zu Beginn der Radstrecke,  nicht weit von Wiesmoor, kann man noch etwas sehen, was eigentlich schon seit den 60er Jahren streng verboten ist: Hier wird als ziemlich einzige Stelle in Ostfriesland mit Ausnahmegenehmigung noch Torf abgebaut. Wir sehen hier im Film die abgefrästen Torfschichten und die Methoden schon der Ur-Kolonisten, die Torfstücke zu  trocknen. – Im Film wird die Radtour für einen Ausflug nach Wiesmoor unterbrochen, wo sich ein höchst interessantes Moor- und Kolonisten-Museum befindet, in dem die schwierige Arbeit und das entbehrungsreiche  Leben der Menschen gezeigt wird, die das Land zu dem machten, was es heute ist. Da findet man noch nie gesehene Dinge – von extra breiten Schuhen für Pferde, damit diese nicht mit ihrem Gewicht im Moor versanken bis hin zu Riesenfräsmaschinen, die bis zum umweltbedingten Verbot des Torfabbaus die Torfstücke in kleinen vorgeformten Stücken auswarfen – und das in Massen. Im Ort Wiesmoor selbst hat man schon früh das Beste aus dem Vorhandensein des fruchtbaren Torfbodens gemacht: Der Ort ist wohl heute Deutschlands größte Blumenstadt mit ausgedehnten Gewächshäusern und ebenso großen  prächtigen Anlagen im Freien. Dazu kommt noch eine große Blumenhalle mit vielen Events im Zusammenwirken mit Wasser, Musik u.a. Unterhaltungsformen.  Blumenfreunde können da endlos verzückt zwischen kunstvoll angelegten Beeten, Rabatten und anderen Arrangements wandeln.

Zurück zur Radtour entlang des Großefehn-Kanals. Der Endpunkt mit den besagten rund acht an Häuserfronten entlang gefahrenen Kilometern ist der Ort Großefehn mit dem allen Ostfriesland-Liebhabern bekannten hübschen Foto-Motiv:  Kanal mit Windmühle und ehemaligem großen Transportschiff für Torf davor. Hier treffen wir einen freundlichen Mann mit holländischen Wurzeln, der uns hier im Detail erklärt, wie eine Galerie-Holländer funktioniert. So nennt sich die riesige Windmühle, durch die wir geführt  werden, während sich draußen rauschend das Windrad dreht. Man staunt und staunt und sagt sich zum Schluss, wie man nur auf die einfache Vorstellung von „Wind treibt Malsteine an“ kommen kann.  Da gibt es so viele z.T. auch kompliziertere Dinge im technischen Aufbau – bewundernswert für die Zeit vor 200 Jahren und mehr. Wer z.B. weiß von der früher schon genutzten Funktion der Windrose – die heute auf jedem modernen Energie-Windrad als  Miniausgabe  per Computer automatisch die richtige Stellung der Rotoren in den Wind steuert?  Was ist die Trauer- oder Feierabendstellung der alten Windräder? Warum war eine „Stert-Mühle“ anstrengender für den früheren Müller? Und noch viel mehr, was hier eingehend erklärt wird. – Es gibt in Friesland und Ostfriesland (bitte unterscheiden!) noch rund 200 alte Windmühlen, von denen viele noch funktionsfähig sind. Dass wir uns gerade die Mühle in Großefehn für einen Besuch ausgesucht haben, hat einen besonderen Grund: Dort hat man die alte Müller-Mühle schon seit längerem mit einer Energiemühle kombiniert, wo das Windrad einen Generator ganz oben antreibt, der Strom ins Netz einspeist – so wie bei den Tausenden von stromgewinnenden Windrädern, die wir heute überall finden, besonders natürlich hier oben im windreichen Norden und auf hoher See, der ja im Zuge der Energiewende bald sauberen Strom auf neuen Leitungstrassen in den Süden führen soll. – Den Besuch des alten Galerie-Holländers (der Begriff wird hier ausführlich erklärt und gezeigt) kann man mit einem neuen Aha-Erlebnis abschließen: Gleich daneben auf dem großen alten Schiff hat man ein kleines Restaurant eingerichtet, in dem es nur eine Sache gibt: Original ostfriesische Pfannkuchen in vielen Variationen. – Und nach der Stärkung dort gibt es noch einen kleinen Abstecher per Rad in den 5 Kilometer entfernten Ort Felde. Dort steht mitten im Feld die oben erwähnte und sehr selten zu sehende  „Stert-Mühle“. Wie die funktioniert? Hier anschauen oder besser selbst hinfahren. Am besten auch per Rad, weil man sich dabei wieder mal darüber freuen kann, dass in Ostfriesland ja fast alle Straßen einen separaten Radweg haben – auch hier – was das Radeln zu einer ungefährlichen und angenehmen Sache macht. Und fast jeder, der auch auf dem Rad entgegenkommt, sagt hier zu einem total Fremden „Moin“, auch ein einmaliger Lerneffekt, der viel über das Völkchen der Ostfriesen aussagt. Schon das allein ist einen Besuch hier oben wert.