Insel Föhr / Nordsee

(Bahn von Niebüll bis Hafen Dagebüll, von da die Fähre nach Wyk/Föhr.)

Fachbereiche: Geschichte (Sozialgeschichte, Auswanderung)

 

Komfortabel, wenn man mit dem Zug im Hafen von Dagebüll ankommt - man ist mit einigen Schritten schon auf der Fähre nach der Insel Föhr. Schon von weitem sieht man dann während der Überfahrt die "Hauptstadt" Wyk mit ihren weißen Stränden. Es ist eine reizvolle kleine Stadt, die viele Ausflugs- und Bademöglichkeiten auf die ganze Insel bietet. Bei einem Spaziergang durch den Küstenort stößt man plötzlich auf einen in der Erde eingegrabenen über 6 Meter hohen Kieferknochen eines Blauwals. Es ist das Kennzeichen des "Friesen-Museums", das bei dem nachfolgenden Besuch mit der Kamera eine unerwartete Überraschung liefert.

 

*Bitte beachten: Die am Ende des Films gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.


Und diese dort gezeigten Tatsachen lassen den Besucher ungläubig staunen: Es gab auf der herrlichen Badeinsel Föhr Zeiten, da die Hälfte der jungen Bevölkerung einfach weg wollte und in die USA auswanderte. Bilder, Schriftstücke, Dokumente und persönliche Utensilien der damaligen Föhrer zeigen dies im Museum ausführlich und eindrucksvoll. Man ging nach Bremen oder Bremerhaven und bestieg eines der riesigen Schiffe, auf denen sich die Auswanderer aus ganz Deutschland sammelten. Aber - um Himmels Willen - müsste denn nicht eine Katastrophe passieren, um von dem Ferienparadies auszuwandern? Das gut ausgestattete Museum nennt auch die Gründe, die nicht nur zu Zeiten der Herrschaft Preußens, sondern sogar noch nach dem Ersten Weltkrieg viele Menschen in die Staaten gehen ließ:

 

Da war es wie oft einmal die Armut und Perspektivlosigkeit - den Tourismus als Einnahmequelle gab es ja noch nicht - und zum anderen flüchteten die jungen Männer früher massenhaft vor den Preußen, die für ihre vielen Kriege erbarmungslos die jungen Männer Föhrs zu den Waffen holten, obwohl ja Preußen für sie eine ganz andere und ferne Welt war. Als früher Föhr noch zu Dänemark gehörte, waren die Männer vom Kriegsdienst befreit.Heute sind so viele Föhrer z.B. in New York oder San Francisco, dass man dort sogar eigene Föhrer Vereine, Musikkapellen sowie Krankenunterstützungs-Vereine hat.

 

Viele vergilbte Fotos aus den Staaten zeigen das - sogar eine Abordnung der Föhrer in Originaltracht bei einer der großen Paraden in New York. Es muss tragisch für die wenigen auf der Insel Zurückgebliebenen gewesen sein, nachdem ja fast alle jungen Leute fort waren. Insgesamt sollen es rund 2500 Menschen gewesen sein, die Föhr verließen - dies bei einer damaligen Einwohnerzahl von ca. 5000 - also die Hälfte. Es kursiert sogar ein Satz, der sagt, dass es heute in den USA mehr Föhrer gibt als auf Föhr selbst. - Im Anschluss an den Museumsbesuch noch schöne Filmbilder von der Überfahrt mit der Fähre und einem Spaziergang durch den Ort und über den Strand.

 

 

LESEN: Die für die Wirtschaft und das Leben auf Föhr wie auch das nahe Amrum fast nicht zu tragende hohe Auswandererzahl und die Schicksale dieser Menschen war Anlass für ein gleich zweibändiges Buch mit dem Titel "Amerika-Auswanderer von Föhr und Amrum", das viel Hintergrundwissen über die Motive der Auswanderung und die Probleme des Lebens in der neuen Heimat liefert. Es wird im Film vorgestellt.