Lübeck Teil 3

(eigene Bahnhöfe)

Fachbereiche: Geschichte (Beispiel für Planung, Bau und Befestigung einer alten Stadt)

(Hinweis: Vor einem Besuch diese einmaligen Stadt sollte zum besseren Verständnis das hier unten vorgestellte Buch beschafft werden. Es ist aber auch ohne Reise dorthin eine Freude, die schönen Zeichnungen von der Stadt früher zu sehen und vom Wissen des Autors über die Entstehung zu profitieren. Am Filmende sehen wir als anregendes Muster einige Seiten im Schnelldurchgang.)


Wer wie hier mit dem Zug in Lübeck ankommt, sollte für einen schönen ersten Eindruck dieser klassischen mittelalterlichen Stadt nicht gleich Bus oder Taxi ins Zentrum nehmen, sondern den Weg zu Fuß machen, was hier auch der Fall ist. Es ist ein weitaus größeres Erlebnis, nicht gleich in der Stadtmitte zu sein und lieber langsam in die vielen Türme und Giebel einzutauchen, die man schon am Bahnhof von weitem sieht. Zunächst durch das berühmte Holstentor, wo man anhand eines Modells feststellen kann, dass diese mächtige Anlage früher noch viel größer war, wie hier im Film zu sehen. Nebenbei: Die auf ihre Stadt stolzen Lübecker haben sich die Mühe gemacht, neben viele der alten Tore, Brücken oder Gebäude in einem großen Glaskasten ein handgefertigtes Modell des früheren, oft weit umfangreicheren Aussehens zu stellen.


Nach dem Überqueren der in die Ostsee mündenden Trave (siehe Film "Travemünde") geht es hinauf in den Kern der Altstadt und man steht unmittelbar vor der Kulisse des bekannten alten Rathauses, neben dem sich die Niederlassung einer weiteren Lübeck-Berühmtheit befindet, nämlich des Marzipans (siehe auch Film-Extra Lübeck 2). Ein Stück weiter geht jeder natürlich auch in die berühmte mächtige Marienkirche, die im Mittelalter bauliches Vorbild für den ganzen Ostseeraum war. Wer dort unterwegs ist und die ebenfalls "Marienkirche" benannten Gotteshäuser in vielen anderen Hanse-Orten sieht (z.B. in Rostock, Wismar, Stralsund, Greifswald, Anklam, Bergen auf Rügen u.a., siehe auch Filme von dort), wird sich darüber nicht wundern, wenn er das beeindruckende Original in Lübeck gesehen hat. Man wollte ja damals irgendwie mit der Hanse-Hauptstadt Lübeck konkurrieren, auch wenn dies nur im baulichen Bereich möglich war.

 

*Bitte beachten: Die am Ende des Films evtl. gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.

 

Gleich neben der Marienkirche ist das zu Ehren des Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann eingerichtete Buddenbrock-Haus (siehe Film-Extra Lübeck 1), wobei bemerkt werden muss, dass es nicht weit davon entfernt auch ein Haus für den zweiten Nobelpreisträger für Literatur aus Lübeck gibt, nämlich Günther Grass. Spätestens hier wird jeder feststellen, dass nur ein Tag für Lübeck einfach zu wenig ist. - Schon gewusst? In Lübeck steht mit dem Hl. Geist-Hospital das älteste Altenheim Deutschlands (siehe Extra Lübeck 6). Daran geht man vorbei und kommt durch das dem Holstentor gegenüberliegende Brucktor zum alten Hafen und wieder zur Trave, wo wir per Zufall eine Riesenanzahl von Anglern sehen, die innerhalb von Stunden eimerweise Heringe mit der Rute fangen - es ist die Zeit des Laichzugs der Heringe den Fluss hinauf und danach wieder in die Ostsee (siehe auch das Extra unter Lübeck 5).Auf dem Weg zurück erleben wird eine weltweit einmalige Besonderheit Lübecks - die sogenannten "Gänge", einem außergewöhnlichen baulichen Einfall im Mittelalter, als der Platz für die vielen Menschen zu knapp wurde, die ins reiche Lübeck wollten (siehe Extra Lübeck 4).

 

Irgendwann steht man wieder am Fluss, der mit vielen begleitenden wunderschönen Wegen und herrlichen Blicken die Stadt umrundet und kommt zum Lübecker Dom mit seinen beiden markanten Türmen. Dieser bietet neben mehreren anderen aber noch einen ganz besonderen Grund zum Staunen: Eine große Nische der Kirche ist mit schwarz/weiß-Fotos von der zerbombten Kirche nach dem Krieg gefüllt. Man will es nicht glauben, dass ein Wiederaufbau - so wie er sich heute in der Kirche präsentiert -überhaupt technisch und künstlerisch möglich war. Vieles, was noch erwähnenswert ist, kann hier aus Platzgründen nicht genannt werden, bevor das Ende des zeitlich gerafften Rundgangs durch das Muster einer mittelalterlichen Stadt mit der Ankunft bei dem vielbesuchten "Malerwinkel" Lübecks gefunden ist. Das ist das Panorama mit Trave und Fußgängerbrücke vorne und der Stadtkulisse mit seinen vielen Türmen und Giebeln dahinter. Dass hier im Filmbild gleich neben dem Fußgängerweg entlang dieser Kulisse eine lange Leine mit (auch weiblicher) Wäsche publikumsfreundlich von privaten Anwohnern aufgehängt ist, passt irgendwie ins mittelalterliche Bild der ganzen Stadt - schließlich gab es früher und gibt es auch heute noch nur enge Höfe oder überhaupt keine, in die weder Sonne noch Wind zum Trocknen gelangen konnten und können. Somit kommt der Wanderer wieder zu Holstentor bzw. den gleich daneben liegenden uralten Speichern, in denen das Salz aus Lüneburg gelagert wurde, mit dessen Handel Lübeck damals neben anderen Dingen auch reich wurde.


Eins ist sicher: Wer Lübeck besucht, wird noch von vielen anderen Dingen begeistert sein, die hier nicht alle genannt werden können.

 


LESEN: Der überaus lesens- oder besser anschauenswerte Band heißt "Lübeck anschaulich" und wurde von einem Lehrer und besten Lübeck-Kenner verfasst und von Hand gemalt. Detailreiche Zeichnungen zeigen zum Beispiel, wie man vor Hunderten von Jahren es anpackte, solch riesige Kirchen ohne den heute möglichen technischen Gerät zu bauen, wie die Tore und Brücken damals aussahen, welche Funktionen die verschiedenen Gebäude hatten, woher die heute noch gültigen Straßenname von damals kamen und, und, und... Wer den Band liest, hat nicht nur Schönes gesehen, er versteht es auch. Und bewundert die Menschen von damals, die aus heutiger Sicht gesehen schier Unmögliches schufen. In Lübeck gehörte dazu auch der sprichwörtliche Lübecker Bürgersinn, der sich bis heute erhalten hat -was sich auch nach dem Krieg mit dem vergleichsweise schnellen Wiederaufbau der zerstörten Gebäude zeigte.