Lübeck Teil 4

(eigene Bahnhöfe)

Fachbereiche: Geschichte, Architektur, Tourismus (mittelalterlicher Städtebau)

 

Lübeck hat eine gleich über 100-fache städtebauliche Besonderheit aus früheren Jahrhunderten zu bieten, die heute von den Bauaufsichtsbehörden aus Sicherheitsgründen sofort verboten würden - wenn nicht alles unter strengem Denkmalschutz stehen würde. Diese Besonderheit hat ihren Ursprung in der Lübecker Blütezeit, als mit den Geschäften durch die Hanse-Schiffe und dem Salzhandel die Stadt so wohlhabend war wie kaum eine andere. Alle wollten ins reiche Lübeck, um dort ihr Glück zu versuchen. Aber Lübecks Platz war durch Fluss, Kanäle, Hafen und natürlich die damaligen Stadtmauern begrenzt. Wohin also mit den vielen Menschen?


*Bitte beachten: Die am Ende des Films evtl. gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.

 

Die einzigen nicht bebauten Orte außerhalb von Straßen und Plätzen waren damals nur die Hinterhöfe der Häuser, in die man damals meist nur durch das Haus selbst gelangen konnte. Es war aber damals kein baurechtliches Hindernis, in diese Höfe kleine Wohnhäuschen zu bauen. Das Problem war nur, dass man nicht zu diesem neuen Wohnraum kommen konnte, ohne durch die davorstehenden Häuser zu trampeln. Also gab' s nur eine Lösung: Man schlug sogenannte "Gänge" von der Straße durch das Haus, um in den Hof zu dem neuen Wohnraum zu gelangen. Diese sind heute noch vorhanden und würden nicht so viele Leute anziehen, hätten sie nicht einige Besonderheiten zu bieten: Zum einen kann man meist nur in gebückter Haltung diese Gänge durchqueren und zum anderen kommt man nach diesem oft dunklen Durchgang oft in ein kleines, vom Lärm total abgeschlossenes Hinterhof-Paradies mit den besagten kleinen Häuschen und mit viel Grün - eine mittelalterliche Hinterhof-Romantik.

 

Hier im Film sehen wir eine ganze Reihe von "Gängen" und deren Höfe und kann verstehen, dass heute diese Wohnungen nicht wie die alten Bauten anderer Städte leer stehen, sondern sogar sehr begehrt sind. Zum Teil kann man diese auch als in Besuchsprogramm passende Ferienwohnung buchen, wenn man in Lübeck ist, um die schöne alte Stadt zu genießen. -150 dieser "Gänge" gab es einmal, heute sind es immer noch rund 100. Dies ist einem rigorosen Denkmalschutz zu verdanken, auf den sich die auf ihre Stadt stolzen Lübecker schon früher besannen. Sonst wären nämlich wie so oft während des Wiederaufbaus nach dem Krieg in anderen Städten diese Zeugnisse mittelalterlichen Wohnens schon längst nüchternen Zweckbauten gewichen.



LESEN: Auch hier ist der unter "Lübeck 3" empfohlene Band "Lübeck anschaulich" die beste Lektüre für Vorbereitung oder Nacharbeit eines Besuches.