Lübeck Teil 5

(eigene Bahnhöfe)

Fachbereiche: Biologie (Meerestiere: Herings-Laichzug in einer großen Stadt)

 

Wer an einem Tag im zeitigen Frühjahr nach Lübeck kommt, muss den Eindruck bekommen, dass die Lübecker ein Volk von Hobbyanglern sind. Besonders in der Nähe des Hafens entlang des Flusses Trave stehen da dicht nebeneinander Hunderte von Petri-Jüngern. Wer genauer hinschaut, sieht ziemlich oft - sehr oft sogar - silberne Fische im Sonnenlicht blitzen, wenn diese mit Schwung von den Angeln aus dem Wasser geholt werden. Und wer auch noch näher hingeht, sieht, dass es sich dabei um Heringe handelt. Die sind in Massen auf ihrem jährlichen Laichzug den Fluss hinauf und dann wieder herunter und fordern dabei von den Anglern nicht die sprichwörtliche Geduld sondern eher das Geschick, diese große Anzahl von schnellen Fängen auch "logistisch" zu bewältigen. Es kann sein - und die Filmbilder zeigen dies - dass ein Angler noch mit dem Verstauen seiner Beute beschäftigt ist, während schon der nächste Biss an der Angel zieht. Wie hier im Bild zu sehen ist, halten einige Angler die Mengen an gefangenem Hering frisch, indem sie diese in einem Netz ins Wasser hängen.


*Bitte beachten: Die am Ende des Films evtl. gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.

 

Für jemanden aus dem Süden ist die Schnelligkeit und Häufigkeit des Fanges faszinierend. Hier kann sich jeder Angler innerhalb nur eines Tages aus dem "Meer der wandernden Heringe" einen Monate reichenden Vorrat an frischen, jungen und sauberen Fisch mit wertvollem Eiweiß und gesunden Fetten in die Tiefkühltruhe holen. Wie hier die Angeln und Köder dafür aussehen, wird im Film von einem Angler gezeigt. Weil das so einfach und auch so motivierend schnell ist, sieht man dort etwas, was beim Angelsport fast nie zu sehen ist: Frauen, die sich das Essen für ihre Küche schnell am Fluss statt im Supermarkt holen. Ebenso mit viel Spaß dabei sind nicht wenige Kinder. - Ein heißer Tipp also für leidenschaftliche Angler aus dem Süden, die statt der sprichwörtlichen Ruhe auch mal durchgehende Beschäftigung und schnellen Erfolg haben wollen - und das mit einem Fisch so frisch aus der Ostsee wie es sonst nie möglich wäre. Allerdings geht das nur für einige Wochen zu Beginn des Frühjahrs, lohnt sich aber trotzdem.

 

Noch etwas Wissen zum Laichzug der Heringe: Während des Jahres ist der Hering auf hoher See unterwegs und ernährt sich dort von Klein- und Schwebeteilen. Im Frühjahr bewegen sich die Schwärme in Richtung Laichregion, das ist in diesem Fall das Ostsee-Brackwasser der Lübecker Bucht. Von dort aus dringen sie in die Brackwasserbuchten vor und schwimmen dann die Flüsse hoch. In dieser Zeit bildet der Hering tagsüber zur Sicherheit oft sogenannte Säulen, wobei sich die Fischschwärme eng zusammen stellen, in einem Kreis schwimmen und so einen großen Fisch vortäuschen. In der Nacht wird der Schwarm aktiv und löst die kompakte Form auf. Ebenfalls nachts ziehen dann die großen Schwärme durch wie hier die Travemündung und die Trave hoch. Erfahrene Angler können dann von ca. 22 Uhr bis 2 Uhr früh massenhaft Schwarm auf Schwarm die Trave hochschwimmen sehen. Sie schwimmen zielgerichtet, schauen nicht nach rechts oder links. Dann ziehen sich die Fische zum Laichen zusammen, dies an Stellen, die die Fischer aus Erfahrung schon gut kennen. Das Laichen vollzieht sich am Rande des Gewässers. Unmengen des klebrigen und damit anhaftenden Laichs werden dann ins Wasser eingebracht - und das oft vor den Füßen der Angler.