Lübeck Teil 6

(zwei Bahnhöfe im Ort)

Fachbereiche: Sozial-, Gemeinschaftskunde (alte Menschen früher und heute)

 

Wenn man in Lübeck vom Rathaus in Richtung Burgtor und Hafen geht, kommt man an einem alten langgezogenen Gebäude vorbei, das mit seinen minarettartigen Türmchen auffällt. Es ist das Heiligen-Geist-Hospital, eine Einrichtung, die sich als erste Institution schon im frühen Mittelalter um die alten Menschen kümmerte. Wir folgen der Einladung eines netten Mitarbeiters der Einrichtung und lassen uns das Haus zeigen und erklären. Ausschlaggebend dafür und für diese Filmbilder war eine gleich am Anfang gemachte Bemerkung dieses Mannes: Er meinte wörtlich: "Dies ist die erste soziale Einrichtung unseres Landes, bei der die Würde des (alten) Menschen an erster Stelle stand."

*Bitte beachten: Die am Ende des Films evtl. gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.


Diese ursprünglich von Mönchen geschaffene, dann im vorletzten Jahrhundert vom Staat bzw. später von privaten Trägern übernommene Einrichtung war - wie sich der Hausführer ausdrückt - ein Staat im Staate, der sich auf allen Gebieten selbst versorgen konnte. Der riesige Umfang wird ersichtlich, wenn man im Eingangsbereich - bis zu den Napoleon-Kriegen früher eine Kirche - das Modell der Anlage sieht. Wir dürfen den alten historischen Bereich mit den sogenannten "Kabäuschen" ansehen. Das sind in die hohe und lange Eingangshalle eingebaute Mini-Wohnungen aus Holz für die alten Menschen, die bis zum 2. Weltkrieg belegt waren. Obwohl einfach, fast primitiv gestaltet, gab es Proteste bei deren Bewohnern, als sie in modernere Wohnungen umgesiedelt wurden. Heute finden in den gleich 150 (!) Kabäuschen verschiedene Veranstaltungen statt. Die wichtigste ist wohl der jährliche Weihnachtsmarkt mit Ausstellern aus vielen Ländern. - Heute kaum verständlich und schon fast komisch ist der bis 1935 hier geltende Verhaltenskodex für die Bewohner in einer Beziehung, wie es unser Führer im Film formuliert: Wie an den Filmbildern zu sehen ist, ziehen sich die Kabäuschen in mehreren langen Reihen durch die hohe Halle. Männer und Frauen waren nach Gängen getrennt, was ja noch verständlich ist. Weniger aber, dass auch verheiratete Pärchen getrennt nach Geschlechtern leben mussten und in früheren Zeiten mit Stockhieben auf den Hintern bestraft wurden, wenn mal ein Mann oder umgekehrt eine Frau in der Wohnung des anderen erwischt wurde. Bis wann das noch praktiziert wurde, konnte der hier im Film Erzählende leider nicht sagen. Vielleicht ist es auch nur eine gut erfundene Geschichte zur Unterhaltung der vielen Besucher. Dafür spricht, dass so eine Regelung wohl nicht mit der Würde der alten Menschen vereinbar gewesen wäre.