Lütjenburg

(Busverbindung vom Bahnhof Oldenburg/Holstein)

Fachbereiche: Geologie, Geschichte, Tourismus

 

Wer sich eine mittelalterliche Burg vorstellt, der sieht ein trutziges Gemäuer aus schwerem gehauenen Granit oder anderen Steinen unmöglich, diese Wände mit den damaligen Mitteln so einfach bei einem Angriff zu zerstören. Das ging nur nach der Eroberung und das auch ziemlich mühsam. Überall im Süden und in der Mitte Deutschlands sind aufgrund der dort vorhandenen Steinbrüche und ihrer auch den Jahrhunderten widerstehenden Festigkeit zahlreiche Burgen zu besichtigen - vom Feind oder bauwilligen Einwohnern auf billiger Baustoffsuche mehr oder weniger in der Masse reduziert. - Die norddeutschen Tiefebenen haben - wie schon der Name sagt - keine Berge aus Stein und der Untergrund ist auch meist aus Sand und Erde. Man musste daher früher für Burgenbauten Steine äußerst mühsam und kostspielig von weit her holen (siehe „Glücksburg“). Das konnten sich aber die meisten edlen Herrscher- und Rittergeschlechter nicht leisten und bauten daher (und das stimmt tatsächlich) Burgen aus Holz. Zu besichtigen im dem nahe der Ostsee liegenden reizvollen kleinen Städtchen Lütjenburg.

 

*Bitte beachten: Die am Ende des Films gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.

 

Wie kann sich aber eine mittelalterliche Burg nur aus Holz bis auf die heutige Zeit halten? Ist nicht schon öfter vom Feind versucht worden, diese einfach abzufackeln? Das stimmt. Und daher sind in Lütjenburg keine 800 Jahre alten Balken und Bretter zu sehen, sondern eine von Geschichtsfreunden in langwieriger Arbeit errichtete Rekonstruktion einer früheren Holzburg, die damals zumindest die Möglichkeit eines weiten Ausblicks und das Zeit gewinnende auf Distanz halten des Feindes bot. Der Vorsitzende des „Vereins der Freunde der mittelalterlichen Burg“ führt uns in diesem Film durch die Anlage. - „Turmhügelburg“ nannte man damals diese Anlage, die in großer Zahl in diesem Gebiet zu finden war. Sie sind ab 1250 entstanden und zur weiteren Sicherheit alle mit einem Wassergraben umgeben.

 

Als Holzart nahm man durchgehend die Eiche, weil diese sehr hart ist und auch schwer brennt. (In der Nähe im Ort Norderbrarup - das ist gleich bei Süderbrarup mit dem Filmbeitrag über die Opferschätze der Angeln und Sachsen - ist noch ein tatsächlich 800 Jahre alter Glockenturm aus Eichenholz zu sehen, der nur deshalb noch steht, weil er kein Feindziel darstellte. Ein Beweis der Festigkeit des Baumaterials Eiche: Noch heute läuten darauf die Glocken.) Die interessante Führung geht auch in die Nebengebäude der Anlage, wobei hier nur ein Detail des damals nicht ungefährlichen Wohnens genannt werden soll: Trotz des Baumaterials Holz hatte man damals noch offenen Feuerstellen im Haus. Um das im Oberteil lagernde Stroh und Heu und das ganze Haus vor Feuer zu schützen, baute man über das Feuer einen „Funkenfang“, der die Funken wieder ins Feuer zurückfallen ließ. Vorteil: Den Funkenfang konnte man als Räucheranlage nutzen. Fazit: Nicht nur der Feind war gefährlich, sondern auch das Wohnen im eigenen Haus. Und eine “Rauch(er)lunge“ müssen damals auch nicht wenige gehabt haben.

 

Nicht die edlen Ritter, denn deren Gemächer hatten die Heizung nach römischem Vorbild unter den Fliesen, was hier in der Holzburg auch demonstriert wird. - Noch viele weitere Details erfährt man durch den Hobby-Burgbauer bevor man sich nach dem schönen Lütjenburg aufmacht, um den Ausblick vom dortigen Altstadt-Hügel bei einem Kaffee zu genießen - vielleicht stand da früher ja auch mal eine „Turmhügelburg“.