Süderbrarup

(eigener Bahnhof)

Fachbereiche: Geschichte, Archäologie, Geologie/Chemie

 

Wer sein Schulwissen noch nicht vergessen hat, dem wird bekannt sein, dass die Angelsachsen in England ihren Ursprung ja auf dem Festland im Norden Europas hatten und von dort ab dem 5.Jahrhundert die Völkerwanderung auf die Insel begann. Noch heute haben wir ja noch den Namen „Angeln“ als Landschaftsteil Schleswig-Holsteins. Und dort liegt auch der kleine Ort Süderbrarup, an dessen Ortsrand sich das „Thorsberger Moor“ befindet, das heute von hoher geschichtlicher und archäologischer Bedeutung ist. Vor 2000 Jahren war nämlich dieses Moor der bedeutendste und wichtigste Opferplatz der Landschaft Angeln. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dort aus den Tiefen des Moores derart wertvolle, schöne und oft in Vasen verschlossene Opferstücke geborgen, dass deren Anblick heute mehr als nur fasziniert. Die Fundstücke sind in der Nydamhalle neben dem Schloss Gottdorf in Schleswig ausgestellt und locken zahlreiche Besucher an.

 

*Bitte beachten: Die am Ende des Films gezeigten YouTube-Bilder haben nichts mit der Initiative "Trips mit Grips" zu tun.


Es sieht aus wie ein kleines, zum Ort gehörendes Teichgebiet, wenn man von Süderbrarup aus zum Thorsberger Moor fährt oder wandert. Bei dem romantisch im Wald liegenden und von Wanderwegen durchzogene Moor käme wohl niemand auf den Gedanken, dass hier vor langer Zeit von den Angeln über 600 Jahre lang wertvolle Opferstücke versenkt wurden. Die Filmbilder zeigen dieses Gebiet. Die Fundstelle regt die Fantasie noch mehr an, wenn man zuerst die Ausstellungstücke in der Nydamhalle gesehen hat. Viele sind aus purem Gold (Filmbilder!), glänzen wie neu und lassen den Betrachter durch die Feinheit der Gestaltung fast auf römischen Ursprung oder Einfluss schließen.

 

Das ist nicht ganz unberechtigt, denn die Römer waren ja zu dem Zeitpunkt auch in Nordeuropa. Sogar das Fach Chemie kann in dieser Ausstellung einmal bildhaft auch Geschichte sein: Das chemische Milieu hat im Thorsberger Moor Opfergegenstände aus Eisen weitgehend zerstört, während Edel- und Buntmetall sowie Holz, Leder und Wollkleidung erhalten blieben. Trotzdem ist ein unschätzbarer Fund aus Eisen erhalten geblieben: Ein schweres, komplettes Kettenhemd für den Schwertkampf aus dem 3. Jahrhundert, das vor dem Moorwasser durch die Aufbewahrung in einem verschlossenen Tongefäß geschützt war. Äußerst interessant: Erhaltene Kleidungsstücke, so wie sie vor 2000 Jahren getragen wurden. Danach weiß man z.B., was eine Hose mit Füßlingen ist. Gleich daneben ein aus dem Nydam-Moor im nahen Dänemark geborgenes großes Boot, das gleich 500 Jahre älter ist als das älteste Wikinger-Schiff, das man gleich in der Nähe im Museum des berühmten ehemaligen Wikingerortes Haithabu besichtigen kann (siehe Film "Schleswig 2").

 

Ganz oben im Landesmuseum Schloss Gottdorf können empfindliche Gemüter noch einen kleinen Schauer über den Rücken erleben - dort ist noch etwas ausgestellt, was auch vom Moor konserviert wurde: Moorleichen.

 


LESEN: Sehr alte Moorleichen, die aus verschiedenen Gründen (auch als Opfergabe) dort den Tod fanden, gibt es in Schleswig-Holstein eine ganze Reihe. Davon berichtet der Band „Moorleichen in Schleswig-Holstein“, dessen Titel am Ende des Films gezeigt wird.